Mnemotechniken

Wie kann es eigentlich sein, dass manche Schüler oder Studenten wenige Minuten brauchen um eine lange Liste an Jahresdaten auswendig zu lernen, andere dafür Stunden? Biologische Unterschiede im Gehirn reichen selten aus, um dieses Phänomen zu erklären. Es muss also noch etwas anderes geben – bestimmte Vorgehensweisen, die eingesetzt werden können um große Mengen an Informationen innerhalb kürzester Zeit zu lernen. Diese Vorgehensweisen nennt man Mnemotechniken und wurden schon im antiken Griechenland angewendet. Im heutigen Artikel besprechen wir, wie Du Dir Mnemotechniken für die Vorbereitung auf den Aufnahmetest und danach im Psychologie-Studium zunutze machen kannst.

Was sind Mnemotechniken?

Die Mnemotechnik bietet also Strategien um sich Lerninhalte besser merken zu können. Doch wie kann man sich das konkret vorstellen? Mnemotechniken können so etwas simples sein wie Informationen nicht nur als Wörter abzuspeichern, sondern diese Wörter mental zu verbildlichen, auf möglichst emotionale und lustige Weise. Oder aus wichtigen Wörtern einen Reim zu bilden, um diese nicht zu vergessen. Dabei ist auf jeden Fall Deine Kreativität gefragt. Das Ziel ist es, Wege zu finden, wie wichtiger Lernstoff mit bereits gefestigten Gedächtnisinhalten verknüpft werden kann um somit Deine Gedächtnisleistung zu steigern.

3 Konkrete Mnemotechniken

In diesem Abschnitt wird auf einige der gängigsten Arten von Mnemotechniken eingegangen.

Loci-Methode

Die Loci-Methode ist die wohl bekannteste Mnemotechnik bei der Du Dir Dein räumliches und bildliches Gedächtnis zu Nutze machst. Suche Dir dazu einen Dir vertrauten Ort (wie z.B. Dein Badezimmer oder Deinen Heimweg von der Schule) und lege eine klare Route mit hervorstechenden Punkten fest, die Du in einer bestimmten Reihenfolge abgehen wirst (z.B die Ausgangstüre der Schule, der Mülleimer neben den Fahrradständern, der einsame Baum neben der Straße, die Bäckerei…). Jetzt verbindest Du jeweils eine zu lernende Information (kann auch eine ganze Definition oder Theorie sein) mit den Wegpunkten – am besten bildlich (Auf dem Mülleimer könnte zum Beispiel ein Sticker von Pavlov, seinen Hunden und einer Glocke kleben, der Deine Erinnerung an Klassische Konditionierung wieder anregen soll.) Ein Vorteil dieser Methode ist, dass die Inhalte sogar in einer bestimmten Reihenfolge abgerufen werden können indem Du einfach die Route in Deinem Kopf durchgehst. Versuche, um Verwirrung und Abrufschwierigkeiten zu vermeiden, innerhalb eines groben Themenbereichs zu bleiben. Alles in allem ist die Loci-Technik großartig um Dir große Mengen an zusammenhängenden Informationen auf Dauer einzuprägen.

Mind-Mapping

Durch Mind-Mapping ist es möglich einen komplexen Sachverhalt auf das Wesentliche zu reduzieren und die Assoziationen und Strukturen dahinter zu verstehen. Dabei ist es wichtig mit den Hauptelementen des Themas zu beginnen und erst später in die Details überzugehen, das heißt von der Mitte nach außen zu arbeiten. Je bunter und anschaulicher Du sie gestaltest desto besser. Allein das Erstellen der Mind-Map reicht häufig aus um sich ein Thema gut einzuprägen, allerdings erfordert es auch einiges an Aufwand und Kreativität. Heutzutage gibt es sogar viele kostenlose Programme, mit denen Du eine Mind-Map auf Deinem Computer erstellen kannst.

Eselsbrücken

Reime, Akronyme und andere Eselsbrücken sind einfach anzuwenden und können helfen, kleine Mengen abstrakter Informationen leichter zu erinnern. Versuche sie möglichst kreativ, emotional oder lustig zu gestalten. Besonders in Statistik und Diagnostik können Akronyme im Psychologiestudium nützlich sein. Dazu musst Du nur Anfangsbuchstaben einer schwer zu merkenden Auflistung kombinieren und daraus ein eingängiges Wort bilden. Zum Beispiel kannst Du die verschiedenen historischen Strömungen in der Psychologie mit dem Wort KoHuBeGePs (Kognitiv – Humanistisch – Behavioristisch – Gestaltpsychologisch – Psychodynamisch) nachvollziehen, rückwärts gelesen sogar in der chronologisch richtigen Reihenfolge. Bedenke allerdings, dass Methoden wie diese im Gegensatz zur Loci-Methode oder Mind-Maps sehr kurzfristig ausgelegt sind und deswegen oft nur eine schnelle Prüfungsabhilfe schaffen.

Grundfähigkeiten für eine effektive Anwendung von Mnemotechniken

Es gibt vier grundlegende Fähigkeiten die besonders bedeutend für das Lernen mit Mnemotechniken sind. Je mehr Du Dich in ihrer Anwendung übst, desto eher wirst Du diese Fähigkeiten erweitern und Deinen Lernerfolg steigern können:

  1. Transformation: Die Umwandlung von theoretisch und abstrakten Inhalten zu anschaulichen und leicht verständlichen Inhalten.
  2. Assoziation: Die Fähigkeit, schnell, viele Verbindungen zwischen Informationen herzustellen.
  3. Fantasie: Die Fähigkeit Kreativität in den Lernprozess einzubringen und diesen reichhaltiger zu gestalten.
  4. Visualisierung: Die Fähigkeit abstrakte Informationen zu verbildlichen.

Welche dieser Fähigkeiten sind bei dir besonders ausgeprägt? An welchen solltest du noch arbeiten?

Grenzen von Mnemotechniken

Mnemotechniken benötigen teilweise viel Übung und führen erst dann zu größerem Lernerfolg. Auch funktioniert, durch unterschiedliche Lernpräferenzen, nicht jede Technik bei jedem Menschen gleich gut. Es ist essenziell neben der Mnemo-Methodik auf ein gutes Verständnis der Inhalte abzuzielen! Einige „Mnemotechniker“ vermitteln beeindruckende Lernmethoden, die vollkommen ohne Verständnis der Inhalte auskommen. Davon sollte man sich ganz klar distanzieren, im echten Leben ist so etwas nicht hilfreich! Außerdem darf der Aspekt der Wiederholung von Lerninhalten trotzdem nicht außen vorgelassen werden. Mit Mnemotechniken ist es zwar leicht sich Dinge gut und schnell einzuprägen, wiederholt werden müssen sie aber trotzdem regelmäßig.

Vielleicht konnte Dich der Artikel darin ermutigen ein paar Mnemotechniken auszuprobieren. Sicherlich findest Du einen Weg sie in Deine Vorbereitung auf den Psychologie Aufnahmetest einzubinden. Teste gleich das erste Kapitel des Buches für den Psychologie Aufnahmetest im Mymorize Vorbereitungskurs kostenlos und versuche dabei Mnemotechniken einzusetzen. Viel Erfolg dabei! Mnemotechniken sind nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten Deine Lernprozesse zu verbessern – in kommenden Artikeln werden wir weitere spannende Themen, wie zum Beispiel den Einfluss von Musik auf Lernen oder Speedreading, besprechen.

Literaturverzeichnis:

  1. Karsten G. (2011) Mnemotechniken – Strategien für außergewöhnliche Gedächtnisleistungen. In: Dresler M. (eds) Kognitive Leistungen. Wiesbaden: Spektrum Akademischer Verlag.
  2. Buzan T. (2006). Mind Mapping. Essex: BBC Active.
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